Globale Wirtschaft vor großen Herausforderungen

Gefühlt hat die Welt so viele Baustellen wie selten zu vor. Auf die Corona-Krise folgte der Ukraine-Konflikt und dazu noch eine ausufernde Inflation im Ergebnis einer schuldengetriebenen Wachstumsstory der westlichen Welt, unterstützt durch die Geld- und Zinspolitik der Notenbanken. Kannten Immobilienpreise und Aktienkurse nur steigende und Zinsen nur fallende Werte, so scheint die aktuelle Lage äußerst fragil. Beruhigend in diesen „unsicheren“ Zeiten ist, dass die Marktteilnehmer die relevanten Krisenherde erkannt haben. Das Erkennen von Problemen führt an dieser Stelle nicht zur sofortigen Lösung. Das gilt für den Stopp des Klimawandels genauso wie für eine andere Energiepolitik. Veränderungen brauchen Ihre Zeit. Die Märkte nehmen jedoch Entwicklungen – wie immer – voraus und übertreiben in beide Richtungen.

Der wichtigste Player in einer globalisierten Welt sind derzeit die Notenbanken. Um das Vertrauen in eine stabile Währung zu behalten, interveniert vor allen Dingen die US-Notenbank in nie dagewesener Geschwindigkeit mit dem Anstieg der Zinsen. Ziel ist es, die Preissteigerungen durch ein schlechteres Investitionsklima für Konsumenten und Unternehmen zu unterbrechen und nach unten zu korrigieren. Eine Rezession scheint aktuell fast unausweichlich. Dies führt(e) zu geringeren Gewinnen bei Unternehmen, weiter sinkenden Aktienkursen und Verlusten bei festverzinslichen Wertpapieren.

Jeder Zyklus kennt dabei sein Ende. Eine Rezession dauert im Schnitt knapp über ein Jahr. Nimmt man die ersten neun Monate an den Kapitalmärkten, so scheint aktuell schon einiges an den Märkten „verarbeitet“ zu sein. Wie nachhaltig die aktuelle Korrekturphase nun dauern wird, ist nicht absehbar und hängt im wesentlichen am geld- und zinspolitischen Kurs der Notenbanken und der Psychologie der Marktteilnehmer.

Aktienmarkt

Bei Aktien sehen wir bisher den viertschlechtesten Jahresverlauf seit 1928 und die Korrektur könnte noch nicht zu Ende sein. Zurückhaltung der Konsumenten und sinkende Unternehmensgewinne könnten die erfolgreichste Anlageklasse der letzten Jahre weiter in Bedrängnis bringen. Der marktbreite amerikanische Aktienindex S&P 500 notierte zu Jahresbeginn noch bei einem neuen Höchststand von 4.797 Punkten und erreichte mit 3.666 Punkten mit Juni seit zwischenzeitliches Tief. Damit hat der Index in der Spitze um fast 24 % korrigiert. Technologieaktien und Konsumtitel gingen im gleichen Zeitraum noch stärker in die Knie.

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Rentenmarkt

Aufgrund des schnellen Zinsanstieges zur Bekämpfung der Inflation kam es bei festverzinslichen Wertpapieren zum größten Kurseinbruch seit Jahrzehnten. Internationale Anleihen verbuchten zeitweise Abschläge von über 10 %. Weiter steigende Zinsen, wie von den Notenbanken angekündigt, könnten kurzfristig weiteres Gift für den „sicheren Hafen“ der Anleihen sein, machen eine über Jahre hinweg weniger beachtete Anlageklasse aber durchaus auch wieder interessant. In den USA erwirtschaften zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile Renditen bis zu 4 % p.a.

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Rohstoffe

Waren Rohstoffe über viele Jahre hinweg das Schlusslicht unter den Anlageklassen, so hat sich durch das aktuelle politische Weltgeschehen der Blick in 2022 deutlich verändert. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch bei Industriemetallen, Agrarrohstoffen und Edelmetallen und den Energiepreisen zu Beginn des Ukraine-Konfliktes halten sich nur die Energiepreise gefolgt von den Agrarrohstoffen auf hohem Niveau. Mit Edelmetallen als sicherem Hafen in turbulenten Zeiten befinden sich Anleger seit Jahresbeginn ebenfalls zweistellig im Minus. Es bleibt dennoch festzuhalten, dass Rohstoffe vor dem Hintergrund der aktuellen Konflikte und den Herausforderungen des Klimawandels ein stärkeres Gewicht als Anlageklasse bekommen.

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Weitere Anlageklassen

Unter den Währungen hat der Dollar klar die Nase vorne und der Euro verliert weiter an Vertrauen. Wer mit Kryptowährungen spekulierte, verlor in der Spitze bis zu 2/3 seines Kapitals. Stand der Bitcoin zum Jahreswechsel noch bei 52.648 Euro, so notiert er heute bei rund 20.000 Euro. Unter dem Druck weiter steigender Zinsen bei Finanzierungen wird auch das Umfeld für Immobilien schwieriger. Dies zeichnet sich in den USA bereits deutlich ab. Haben die Aktien namhafter deutscher Immobilienentwickler wie Vonovia bereits 50 % Ihres Aktienkurses abgegeben, so blieb die Preiskorrektur am Immobilienmarkt aktuell noch aus.

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