Öl-Crash führt zu Aktien-Crash

Seit 1991 hat es keinen so massiven Einbruch am Ölmarkt gegeben wie diese Nacht. Der am Wochenende begonnene Öl-Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland ließ die Preise für die wichtigsten Sorten um etwa 30 Prozent einbrechen.  Dies kommt zu einer denkbar schlechten Zeit. Die noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Coronavirus-Epidemie und ein Einbruch des Öl-Preises liefern uns heute sicher einen rabenschwarzen Montag und dramatische Verwerfungen an den Aktienmärkten.

Tagesverluste von bis zu 10 Prozent

Vorbörslich notierte zum Beispiel der Dax um 1.000 Punkte bei rund 10.500 Punkten und damit rund 10 Prozent niedriger als letzte Woche. Bereits in den letzten Tagen haben wir massive Korrekturen gesehen und wir gehen davon aus, dass der Abverkauf und die Nervosität noch einige Wochen anhalten wird. Betrachten wir um 10.17 Uhr die Märkte, so hat sich die Börse vom Tief bereits wieder um 5 % erholt und wir notieren bei rund 11.000 Punkten. Öffnen heute Nachmittag die US-Börsen, so kann die Talfahrt beschleunigt weiter gehen, reagieren die Notenbanken vielleicht überraschend oder Donald Trump mit einem Statemant zum Verhalten der USA auf die aktuellen Geschehnisse, so sind wir am Tagesschluss vielleicht sogar wieder glatt. Alles schon mal dagewesen. Verrückte Welt und sicher nicht mit Logik begründbar, denn der Coronavirus ist zwar angekommen, wird die Menschheit aber sicher nicht auslöschen.

Einsteigen nach dem Crash?

Von den alten Höchstständen sind wir sicher nach heutigem Tagesschluss relativ schnell um die 20 Prozent entfernt. Ist dies schon ein Crash bzw. loht es sich jetzt bereits nachzukaufen?

Sehen wir uns eine Analyse des US-Vermögensverwalters First Trust an. Sie untersucht die Auf- und Abschwungphasen – im Börsendeutsch: Bullen- und Bärenmärkte – an der Wall Street seit 1926.

  • Ein vollständiger Bullenmarkt dauerte im Mittel 12,8 Jahre und brachte ein durchschnittliches Plus von 534 Prozent
  • Ein vollständiger Bärenmarkt dauerte im Mittel 1,5 Jahre und brachte ein durchschnittliches Minus von 41 Prozent.
  • Der längste Bullenmarkt dauerte 15,1 Jahre und brachte ein Plus von 936 Prozent.
  • Der längste Bärenmarkt dauerte 2,8 Jahre und brachte ein Minus von 83 Prozent.
  • Vier Bullenmärkte dauerten länger als der aktuelle und brachten höhere Gewinne.

An der Börse gibt es zwei Risiken!

An den Aktienmärkten gibt es zwei Risiken – dabei zu sein, wenn es fällt und nicht dabei zu sein, wenn es wieder steigt. Aus der oben beschriebenen Statistik leiten wir ab, dass Abwärtsphasen immer wieder und das meist heftig und sehr dramatisch auftreten. Historisch betrachtet wurden dabei immer die Mutigen belohnt, die sich gerade dann getraut haben, zu investieren, wenn keiner mehr an eine bessere Welt glaubt.

Aktuell denken wir jedoch, dass es noch zu früh ist, sehr mutig zu sein, denn auch die nächsten Tage und Wochen werden sicher nicht ganz ruhig an den Märkten verlaufen. Die aktuelle Entwicklung wird sehr schnell die Notenbanken auf den Plan rufen, deren Pulver jedoch schon ziemlich ausgeschöpft ist.

Die Weltwirtschaft wird in eine Rezession abtauchen. Die Frage ist nur, wie viel von diesen Szenarien bereits in den Kursen enthalten ist und was da noch kommt.

Was konkret können Sie unternehmen?

Wie bereits in unserem Newsletter in der letzten Woche beschrieben, gibt es drei Szenarien.

a) Abwarten, bis das alles wieder vorbei ist und aktuell keine Depotauszüge und Börsennachrichten lesen

b) günstig Nachkaufen  und sukzessive (über 12 bis 36 Monate) Ihre unverzinsten Spareinlagen und Festgelder in den Markt investieren

c) wenn Sie den aktuellen Schmerz nicht vertragen – alles verkaufen und auf Nummer “sicher” gehen bzw, den aktuellen Depotbestand realisieren.

Heute möchten wir diese nochmals verdeutlichen und auf unterschiedliche Szenarien eingehen. Vorneweg gilt festzuhalten, dass überstürztes Handeln meist nie ein guter Ratgeber in solchen Turbulenten Zeiten ist bzw. historisch war.

Investoren-Typ 1 – Sie sind noch nicht investiert und haben 100.ooo Euro Cash bzw. in Festgeldern oder Tagesgeldern?

Wenn Sie noch nicht investiert sind, so bieten die aktuellen Kurse und die kommenden Woche deutliche Rabatte beim Einkauf. Sollten Sie beispielsweise ein Festgeld  bzw. Liquidität über 100.000 Euro besitzen, so können Sie Ihr Kapital nun sukzessive in den nächsten 3 Jahren investieren. Der längste Abschwung an der Börse dauerte 2,8 Jahre. Sollte sich dieses Szenario wiederholen, so kaufen Sie in den nächsten 36 Monaten sukzessive zu unterschiedlichen Preisen in fallende Märkte. Langfristig werden Sie wohl mit ausgezeichneten Renditen belohnt werden, denn die Welt normalisiert sich und es gibt auch ein Leben nach Corona und Ölpreisschock. Sie können Ihren Investitionszeitraum natürlich auch reduzieren und beispielsweise auch über 12 Monate sukzessive investieren, also jeden Monat beispielsweise 8.000 Euro, denn im Mittel dauert eine Korrektur maximal 15 Monate.

Investoren-Typ 2 – Sie sind teilweise investiert und besitzen 100.000 Euro im Depot und 100.000 Euro in Cash bzw. auf Festgeld oder Tagesgeld

Vor einigen Tagen konnten Sie sich noch über Höchststände im Depot freuen. Die Gewinne sind nun ziemlich schnell dahin geschmolzen und der ein oder andere Anleger hadert mit seinen Entscheidungen. Tagesaktuell sehen wir wohl die gleichen Kurse wir nach Ausbruch des Handelskrieges zwischen der USA und China. Der Markt hatte binnen weniger Tage ebenfalls 2.000 Punkte verloren und der Dax fand sich dann bei 10.500 Punkten am 28.12.2018 wieder. Wenn Sie jetzt weitere Liquidität besitzen, so würde es sich ebenfalls – wie bei Investorentyp 1 – langfristig auszahlen, ab sofort in Raten auf 12 bis 36 Monate zu investieren, denn weder Sie noch ich noch sonst jemand findet den richtigen Punkt für den optimalen Einstieg in den Markt. Sollten Sie also weitere 100.000 Euro Cash besitzen, so wäre es eine Option, ab sofort in Raten nachzukaufen. Hierbei empfehlen wir keine überstürzten Handlungen vorzunehmen und zu gierig zu sein, denn der Markt ist derzeit äußerst nervös. Historisch betrachtet sollte die aktuelle Phase jedoch günstige Chancen für den besonnen Investor liefern.

Investoren-Typ 3 – Sie sind voll investiert und besitzen 100.000 Euro im Depot

Sollte Ihr ganzes Vermögen aktuell voll investiert sein, so gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Niemand weiß, wie lange diese Korrektur noch anhalten wird, doch auch Sie wird ein Ende finden. Für den voll investierten Anleger gibt es heute drei Optionen:

  • Sie verkaufen sofort alles und verabschieden sich sofort vom Aktienmarkt und gehen an die Seitenlinie.

Wenn Sie den Schmerz nicht vertragen, dann müssen Sie aussteigen. Damit können Sie zwar vermutlich wieder etwas ruhiger schlafen, treffen jedoch eine Entscheidung, die historisch betrachtet fast immer die falsche war.

Denn ob Sie je wieder an die Börse und Märkte zurück kehren, können nur Sie entscheiden. Wenn Sie nicht zurück kehren, dann verabschieden sich damit auch von dem Hauch einer Chance jemals in den nächsten 20 bis 25 Jahren nochmals Ertrag mit Geldanlagen zu erwirtschaften, denn auf der Zins-Seite wird sie keine Alternative erwarten.

10 jährige Staatsanleihen notieren heute bei Minus 0,83 p.a. Dies bedeutet, nach 10 Jahren erhalten Sie exakt für 100.000 Euro nur noch 92.000 Euro garantiert zurück. Dieser “Negativzins” wird sehr kurzfristig auf alle Anlageklassen im Zinsbereich durchschlagen – Ihr Tagesgeld, Ihr Festgeld, Ihre Lebensversicherung, Ihre Rentenversicherung. Alles was mit Zinsen zu tun hat.

  • Sie realisieren 50 % Ihres Depots und kommen in Raten wieder in den Markt zurück   

Wenn Sie jetzt 50 % auf aktueller Basis realisieren, so folgen Sie einer sogenannten Salomonischen Lösung. Sie bleiben mit der Hälfte investiert um davon zu profitieren, wenn die Märkte wieder steigen und verpassen mit den anderen 50 % die Rückkehr. Die 50 % Cash bringen Sie dann analog der Strategie auf 12 bis 36 Monate in den Markt zurück, wie auch oben bei anderen Investorentypen schon beschrieben. Wenn die Märkte weiter fallen, so haben Sie noch genügend Cash um ggfs. anstehende Investionen zu tätigen.

  • Sie unternehmen nichts

Sie bleiben investiert und vertrauen auf bessere Tage. Sicher werden wir gemeinsam in den nächsten Tagen und vermutlich auch Wochen einige Turbulenzen durchstehen. Weder sind wir Virologen noch kennen wir die geldpolitischen Reaktionen der Notenbanken auf die aktuellen Entwicklungen. Auch wissen wir nicht, ob sich das ganze Thema so schnell verflüchtigt wie es gekommen ist und wir in ein paar Wochen schon über andere Themen sprechen. Wenn Sie Ihr Geld in den nächsten Monaten nicht unbedingt benötigen, dann mit uns gemeinsam “Augen zu und durch”

Fazit: 

Wir besitzen weder eine Glaskugel noch sind wir Virologen. Aus der Historie meiner nun über 20 jährigen Tätigkeit am Wertpapiermarkt leite ich jedoch ab, dass mir so eine Situation noch nie begegnet ist und ich faktisch die “Angst” als derzeit größeres Risiko einstufe als die Bedrohung durch ein Virus an sich. Wie schon letzte Woche beschrieben, lässt sich die Masse an der Börse von zwei Indikatoren leiten. Gier und Angst (Fear and Gread). Aktuell könnte man den Index schon im Panik-Modus bewerten. Der VIX (Schwankungsindikator) hat sich extrem von seinem 50-Tages-Durchschnitt nach oben verabschiedet und man sieht, dass die Stimmung von Investoren nicht viel schlechter geht als in den letzten Tagen.

Historisch waren solche Tage immer Kauftage. Denn bei Panik werden auch gute und solide Unternehmen ausverkauft, die auch in den kommenden Jahren mit einem soliden Geschäftsmodell sehr erfolgreich sein werden. Eins wird in dieser Phase deutlich:

  • Wenn Sie den Schmerz an der Börse nicht aushalten, dann können wir künftig leider auch nichts mehr für Sie tun und Sie müssen sich ein für alle Mal vom Kapitalmarkt verabschieden.
  • Geldanlage sollte immer von den finanziellen Zielen geprägt sein. Wann brauche ich mein Geld wieder und wie viel kann ich langfristig investieren – nicht von Gier und Angst. Aus den finanziellen Zielen leitet sich ein Anlagehorizont ab, den wir bei unserem Portfolios mit 5 bis 10 Jahren mindestens angeben. An der Börse geht es nicht um einen Sprint über 100 Meter sondern um einen Marathon, der mit so manchem Muskelkater zu tun hat.
  • Es ist immens wichtig, seine Risikobereitschaft klar zu definieren. Deshalb gibt es bei uns drei Portfolios mit einer Aktienquote von 40, 60 und 80 Prozent. Logischerweise bewegt sich ein 40er Depot in den aktuellen Tagen schwerfälliger als ein 80er Depot und umgekehrt. Wer sich für eine Aktienquote von bis zu 80 % entschieden hat, der erntet auch die Früchte wenn es wieder bergauf gehen wird.

Wir stehen zu unserer grundsätzlichen Philosophie, dass an Investmentfonds gerade in diesen Zeiten langfristig kein Weg vorbei führen wird und wir auch diesen Abschwung im Rückspiegel als Lernkurve verbuchen können unserer Philosophie treu zu bleiben.

Sie haben Fragen?

Sollten Sie Fragen haben, so rufen Sie uns jederzeit in unserem Office an unter 0821 45040540 oder melden Sie sich mobil bei mir unter 0179 3923793.

Wir sind für Sie da!

Martin Eberhard & Robert Ott & Ihr Fondsfueralle-Team

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