Ein Halbjahr zum Vergessen

Ein Halbjahr zum Vergessen

Am liebsten würden wir alle das erste Halbjahr 2022 an den Kapitalmärkten schnell vergessen, doch begleiten uns die Themen des Jahresauftakts wohl auch in der zweiten Jahreshälfte und verheißen eigentlich nicht viel gutes. Seit 24. Februar begleitet uns nun der Krieg in der Ukraine – ein schnelles Ende scheint nicht in Sicht. China hält unterdessen weiter an seiner Null-Covid-Politik fest, was nicht nur im Land selbst zu steigender Arbeitslosigkeit und Umsatzeinbrüchen führt, sondern aufgrund unterbrochener Lieferketten die gesamte Weltwirtschaft beeinträchtigt. Die Konsumlaune in Deutschland erreicht aufgrund anhaltend hoher Inflationsraten den tiefsten Stand seit 30 Jahren. In den USA fällt unterdessen die persönliche Sparquote auf den tiefsten Stand seit 2008 verursacht durch erhöhte Ausgaben für die Lebenshaltung.

Die amerikanische Notenbank FED überrascht mit einem ungewöhnlich harten Kurs im Kampf gegen die Inflation. So erhöhten die Währungshüter im Juni den Leitzins um satte 0,75 Prozentpunkte und vollzogen den größten Zinsschritt seit 1994. Damit hat die Fed der Inflation den Krieg angesagt und vollzieht eine 180-Grad-Wende zum bisherigen Kurs des „billigen & lockeren“ Geldes. Bis zum Jahresende sind noch weitere Zinsschritte geplant – mit dem Ziel die Inflation einzufangen ohne jedoch in eine Rezession abzurutschen. Doch warum bekämpft die Notenbank eigentlich die Inflation?

Das oberste geldpolitische Ziel und die Aufgabe der Notenbank ist die Stabilität einer Währung.  Stabile Preise sind „das Fundament“ der Volkswirtschaft und letztlich auch die Voraussetzung für einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt.

In Verzug zu den amerikanischen Währungshütern erkennt nun auch die Europäische Notenbank EZB die Notwendigkeit schnellerer und größerer Zinserhöhungen im Kampf gegen den Preisauftrieb. Die Inflation in den 19 Ländern des Euro-Währungsraums liegt bei 8,1 Prozent – ein Rekord. Der Leitzins der EZB liegt unterdessen unverändert bei 0,00 %. Die Notenbank befindet sich unterdessen in der Sackgasse. Die nahende Zinswende hat Befürchtungen aufkommen lassen, dass es zur neuen Schuldenkrise in Europa kommen könnte. Druck kommt dieser Tage insbesondere aus Italien, denn dort liegen heute fast 25 Prozent der gesamten Staatsschulden in der Eurozone. Steigen die Refinanzierungskosten, muss sich der italienische Staat weiter verschulden. Das könnte gefährlich werden. Am 15.06.2022 traf sich die EZB deshalb zu einer Notfallsitzung, um über geeignete Maßnahmen und geldpolitische Hilfen für Euro-Südstaaten zu diskutieren.

Vieles erinnert in diesen Tagen an diesen Tagen bereit an die Eurokrise 2012. Manches erinnert aber auch an die US-Immobilienkrise aus dem Jahr 2007. Notieren US-Immobilien mit einem Preisanstieg von 19,6 % im Vergleich zum Vorjahr auf Höchstniveau, so brechen die Verkäufe neuer Eigenheime aufgrund gestiegener Zinsen und geringerer Investitionsbereitschaft im fünften Monat in Folge ein. Immobilien in den USA befinden sich heute im Vergleich zum Anstieg der Reallöhne auf dem teuersten Niveau aller Zeiten, gleiches gilt auch für Deutschland.

Was erwartet uns im zweiten Halbjahr? 

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich der Ukraine-Konflikt, die Inflation, die Null-Covid-Politik oder der geldpolitische Kurs der Notenbank im zweiten Halbjahr verändert. Eigentlich sollte dem „Markt“ und seinen Teilnehmern nun sämtliches Ungemach bekannt sein. Haben wir das schlimmste schon hinter uns oder kommt es noch schlimmer?

Man kann von einer sicheren „Unsicherheit“ ausgehen. Vermutlich wird die amerikanische Wirtschaft – und damit die Weltwirtschaft – in eine Rezession abrutschen. Für Europa gilt vermutlich ähnliches. Dies hätte zur Folge, dass der Druck auf einzelne Anlageklassen in der zweiten Jahreshälfte noch verschärfen sollte, insofern dieses Szenario nicht schon eingepreist erscheint.

Wir empfehlen unseren Investoren in der aktuellen Marktsituation einen Liquiditätsanteil von 50 %. Darüber hinaus sollten Sie mit uns die aktuelle Situation nutzen, um Ihre bestehende Anlagestrategie zu überprüfen und auf die geänderten Marktbedingungen anzupassen.

Erfahren Sie mehr in unserem Monatsupdate am kommenden Mittwoch, den 05.07.2022 um 19.00 Uhr oder vereinbaren Sie Ihren individuellen Termin.

Ich freue mich auf das Gespräch mit Ihnen.

Ihr Martin Eberhard

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2022-06-29T15:17:22+02:0029.06.22|Kategorien: fondsfueralle|0 Kommentare
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