Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Konnten wir uns zumindest nicht über das Wetter dieses wunderbaren Sommers beschweren, so kehrt an den Kapitalmärkten nach einem kurzen Zwischenhoch von Ende Juli bis Mitte August Ernüchterung ein. Eine Schwalbe macht nun eben doch noch keinen Sommer. Nach zweistelligen Zuwächsen mancher Indices von den Tiefstständen kehrt seit letzter Woche die Angst an bei den Anlegern zurück. War es nun fast ein Monat lang die Angst (Fear of missing out) etwas zu verpassen, so ist es nun die Angst vor dem nächsten Abschwung. Die unmissverständliche Ankündigung der US-Notenbank durch Chef Jerome Powell am 26. August die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation weiter anzuheben und dabei auch eine Wirtschaftskrise in Kauf zu nehmen sorgte für „Klarheit“

September – historisch kein guter Monat 

Wurde ein Großteil der Gewinne des letzten Monats in wenigen Tagen nun ausradiert, so schwindet die Hoffnung auf einen versöhnlichen Ausgang des Jahres für Anleger zunehmend. Auf Basis von Daten seit 1950 ist der September der schwächste Monat im Jahr für den Dow Jones und den S&P 500. Gleiches gilt für den Nasdaq, für welchen Daten seit 1971 verfügbar sind.

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Rezession voraus

Wie Fed-Chef Powell vergangene Woche klargestellt hat, wird er einen Wirtschaftsabschwung in Kauf nehmen, um die Inflation zurück auf die Zielrate von 2% zu drücken. Amerika braucht wohl ein «Wunder», um eine Rezession zu vermeiden. Die Schlüsselfrage ist demnach, wie schwer sie ausfallen wird und wie lange sie dauert? Natürlich beeinflusst ein Abflauen der Wirtschaft die Märkte. Die Gewinnerwartungen der Unternehmen werden zurückgeschraubt, die Kurse der Aktien korrigieren und auch vermeintlich sichere Häfen wie der Anleihemarkt werden durch die Zinspolitik der Notenbank in Mitleidenschaft genommen. Kurzum bleibt es ein schwieriges Marktumfeld, das wohl noch eine Zeit lang anhalten sollte. Folgt man den Aufzeichnungen seit 1921 so „dauert“ eine Rezession durchschnittlich 14 Monate, mit Ausnahme der großen Depression in den 1930er Jahren.

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Basis für neue Höchststände

So trüb die kurzfristige Betrachtung auch aussieht: Jede Rezession und jeder Bärenmarkt (Synonym für fallende Kurse) hatte eine anschließende Expansion und neue Höchstkurse an den Aktienmärkten zur Folge. Zwischenzeitlich mussten sich Anleger jedoch mit durchschnittlichen Verlusten von 36 % beim S&P 500 arrangieren. Aktuell notiert der S&P um die 4.000 Punkte. Dies sind 20 % unter den historischen Höchstständen. Was in den Märkten nun bereits „eingepreist“ ist oder nicht, kann niemand beantworten. Auch die Frage „ob es noch viel tiefer“ geht, bleibt offen. Fakt ist jedoch, dass Aktien derzeit schon 20 % günstiger sind als noch vor rund 12 Monaten und es irgendwann den Tag geben wird, an dem wir gemeinsam neue Höchstkurse feiern.

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Auch Anleihen werden wieder bessere Tage sehen

Im Kampf gegen die seit Ende 2020 wieder aufkeimende Inflation hat die US-Notenbank Fed die Zinsen in diesem Jahr bisher viermal erhöht, insgesamt um 225 Basispunkte. Daraufhin erlitten Anleihen einige ihrer schlimmsten Verluste seit Jahrzehnten. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 fiel beispielsweise der Bloomberg US Aggregate Bond Index um 10,35% – das war das schlechteste Ergebnis in mehr als vier Jahrzehnten. Und der Schmerz könnte noch nicht vorbei sein. Die US-Notenbank Federal Reserve ergreift aggressive Maßnahmen, um die Inflation einzudämmen, und hat angekündigt, dass sie die Zinssätze mindestens bis September weiter anheben will, bevor sie möglicherweise eine Pause einlegt, um zu sehen, wie gut die Zinserhöhungen die Inflation eindämmen.

Selbstverständlich sind steigende Zinssätze schlecht für Anleihen: Wenn Anleger eine frisch emittierte Anleihe mit einem höheren Kupon kaufen können, sind ältere Anleihen mit niedrigeren Renditen weniger wert. Mathematisch stimmt das zwar, ist aber nicht das Ende der Geschichte.

Relativ selten erleiden Anleihen in zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Jahre Verluste, selbst in Zeiten steigender Zinssätze. Seit 1926 ist das nur zweimal passiert: 1955-56 und 1958-59. In beiden Fällen waren die kumulierten Verluste während des Zweijahres-Zeitraums relativ gering (3,7% bzw. 2,4%).

Zugegeben, sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, als der Markt derzeit erwartet, könnten Anleihe-Investoren kurzfristige weitere Verluste ins Haus stehen. Mittelfristig sehen wir jedoch – ähnlich wie bei Aktien die aktuellen Korrekturen als gute Gelegenheit (fast schon historisch) günstig zu investieren.

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Lesen Sie mehr dazu in unserem aktuellen Beitrag zu Anleihen.

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Ihr Martin Eberhard

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7. Dezember 2022 @ 19:00 - 19:30

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