Was die Grafiken sagen – und was die Märkte noch nicht einpreisen

Der Nahostkonflikt ist längst nicht mehr nur ein geopolitisches Thema, sondern ein handfester Risikofaktor für die Kapitalmärkte. Steigende Ölpreise, nervöse Anleihemärkte und eine sichtbar defensivere Positionierung professioneller Investoren zeigen, dass die Eskalation zunehmend ökonomische Folgen hat. Der folgende Marktbericht ordnet die wichtigsten Entwicklungen ein, zeigt, welche Signale die Grafiken liefern – und warum die Märkte womöglich noch nicht das gesamte Risiko eingepreist haben.

Martin Eberhard | zuletzt aktualisiert 18.03.2026

In diesem Kapitel

Die Straße von Hormuz: Ein Nadelöhr mit globaler Sprengkraft

Die J.P. Morgan-Karte macht das strukturelle Problem mit einem Blick sichtbar: Täglich fließen rund 19 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormuz – mehr als durch jeden anderen Engpass der Welt. Die USA produzieren zwar inzwischen über 18 Millionen Barrel pro Tag und sind damit weltgrößter Produzent, doch der Iran kontrolliert mit seiner Geografie das entscheidende Nadelöhr für die gesamte Golfregion. Saudi-Arabien, die VAE, Kuwait, Irak und Katar – alle Exporte fließen durch diesen 33 Kilometer schmalen Kanal.

Seit Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 ist dieser Kanal effektiv gesperrt. Iranische Angriffe auf Schiffe haben den Verkehr in der Meerenge, über die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasangebots transportiert werden, drastisch eingeschränkt. Alternative Routen – die Petroline-Pipeline quer durch Saudi-Arabien (5 mbd) oder die irakische Strategiepipeline (1,4 mbd) – können den Ausfall nur partiell kompensieren. Es gibt schlicht keinen gleichwertigen Ersatz.

Die unmittelbaren Marktfolgen sind bereits eingetreten: Brent-Rohöl sprang von rund 72 Dollar pro Barrel am 27. Februar auf über 106 Dollar – ein Anstieg von mehr als 40 Prozent. LNG-Preise legten sogar fast 60 Prozent zu, nachdem QatarEnergy am 2. März nach einem iranischen Drohnenangriff die Produktion aussetzen musste.

Drei Szenarien – und wo wir heute stehen

Die J.P. Morgan-Szenariotabelle vom 5. März 2026 ist eine nüchterne Landkarte des Möglichen. Sie unterscheidet drei Pfade, deren Wahrscheinlichkeiten sich seit Veröffentlichung bereits verschoben haben.

Szenario 1: Schnelle Deeskalation (Öl 70–75 USD)

Voraussetzung wäre eine politische Einigung zwischen Iran und USA/Israel oder die militärische Sicherung der Straße. Das Marktergebnis wäre eine Erholungs-Rallye bei Aktien und Anleihen, der Dollar würde nachgeben. Dieses Szenario erscheint aktuell zunehmend unwahrscheinlich: Der iranische Außenminister erklärte, die Blockade könne nicht unabhängig vom Krieg aufgehoben werden – Irans Parlamentspräsident brachte sogar eine dauerhafte Kontrolle der Durchfahrt ins Spiel.

Szenario 2: Verlängerter Konflikt über 4 Wochen (Öl 90–100 USD)

Die Straße bleibt geschlossen, Speicherkapazitäten nähern sich ihren Limits. Aktien und Anleihen fallen, Zinssenkungserwartungen werden vollständig aus dem Markt gepreist. Qualitäts-, defensive und Rohstoffwerte übertreffen den breiten Markt, der Dollar legt moderat zu. Die israelische Armee hat angekündigt, den Krieg noch mindestens drei weitere Wochen fortzusetzen – es verblieben noch Tausende Ziele im Iran. Der aktuelle Ölpreis von über 106 Dollar signalisiert, dass die Märkte heute bereits zwischen Szenario 2 und 3 einpreisen.

Szenario 3: Eskalation (Öl >120 USD)

Erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur der Golfregion, breiterer Konflikt zwischen Supermächten. Globale Rezession, Asien und Europa am stärksten betroffen. Dollar und Gold steigen deutlich, US-Aktien übertreffen relativ zu Europa und Asien. Ökonomen von Capital Economics prognostizieren, dass Brent im Extremfall auf durchschnittlich 150 Dollar pro Barrel über sechs Monate steigen könnte.

Die Anleihemärkte beginnen zu reagieren

Wochenlang betrachteten die Märkte die geopolitische Eskalation im Nahen Osten als begrenztes, eingrenzbares Risiko. Diese Annahme wird nun systematisch infrage gestellt – und der Rentenmarkt sendet das erste klare Signal.

Die Bloomberg-Grafik zeigt es eindrücklich: Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen haben innerhalb von zwei Wochen den größten Anstieg seit Ende 2024 verzeichnet – ein Sprung von rund 30 Basispunkten, der in der jüngsten Marktgeschichte seinesgleichen sucht. Bewegungen am kurzen Ende der Kurve spiegeln typischerweise keine Rezessionssorgen wider, sondern veränderte Erwartungen an Zentralbankpolitik und Inflationsdynamik. Der Markt sagt: Die Notenbanken werden länger restriktiv bleiben müssen.

Energieschocks verursachen historisch genau dieses Problem. Höhere Öl- und Kraftstoffpreise fließen direkt in Transportkosten, Produktionsaufwand und letztlich in Verbraucherpreise ein. Die Zentralbanken stehen dann vor einem klassischen Dilemma: Wachstum stützen oder Inflation bekämpfen – beides zugleich ist strukturell nicht möglich. Wenn Energiepreise hoch bleiben, könnte die geldpolitische Erwartungshaltung von einer nahenden Lockerung zu einem verlängerten restriktiven Regime kippen. Das hätte direkte Konsequenzen für Bewertungen aller Anlageklassen – insbesondere für hochbewertete Wachstumstitel, die auf niedrige Diskontsätze angewiesen sind.

Dieser Mechanismus deckt sich exakt mit dem, was die J.P. Morgan-Szenariotabelle für Szenario 2 beschreibt: Zinssenkungen werden vollständig aus der Preisgestaltung entfernt. Der Rentenmarkt signalisiert, dass dieser Übergang bereits begonnen hat.

Hedge Funds positionieren sich für den Sturm

Während Privatanleger noch abwarten, sprechen die Positionierungsdaten professioneller Marktteilnehmer eine ungewöhnlich deutliche Sprache.

Die Short-Positionen von Hedge Funds in US-gelisteten ETFs stiegen am vergangenen Donnerstag um 10 Prozent – der zweitgrößte Tagesanstieg seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2016. Nur der 2. April 2025 – der sogenannte Liberation Day – verzeichnete mit plus 16 Prozent einen noch markanten Anstieg. In der Gesamtschau sind die ETF-Short-Positionen in dieser Woche allein um 12 Prozent gestiegen, nach plus 8 Prozent in der Vorwoche. Über den vergangenen Monat kumuliert sich das zu einem Anstieg von 23 Prozent.

Noch aussagekräftiger ist die Positionierung in US-Makro-Produkten, also Index-Futures und breiten ETFs: Hier haben Short-Positionen inzwischen 11,5 Prozent der gesamten US-Exposure erreicht – und nähern sich damit dem Bärenmarkt-Höchststand von 2022 mit 11,6 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren war die Short-Positionierung nur in 3 Prozent aller Fälle höher.

Was bedeutet das? Das professionelle Geld wettet entweder auf fallende Kurse – oder sichert sich massiv gegen Verluste in bestehenden Long-Positionen ab. Beides ist ein Signal. Wenn diese Absicherungen aufgelöst werden müssen, kann das Kursrückgänge beschleunigen. Wenn der Markt dreht und diese Shorts eingedeckt werden müssen, kann daraus ein scharfes Short-Squeeze-Szenario entstehen. Die Positionierung allein ist kein Timing-Signal – aber sie zeigt das Ausmaß der Nervosität unter professionellen Investoren.

Der S&P 500: Ruhig vor dem Sturm?

Wer heute auf den S&P 500 schaut, könnte meinen, der Konflikt im Nahen Osten sei eine Fußnote. Der Index liegt seit Kriegsbeginn am 28. Februar lediglich 3,59 Prozent im Minus. Vom Allzeithoch am 27. Januar 2026 beträgt der Rückgang gerade einmal 4,96 Prozent. Am vergangenen Freitag fiel der Index auf seinen 200-Tage-Durchschnitt – und hielt ihn. So weit, so stabil.

Die Inflection-Point-Grafik von J.P. Morgan zeigt jedoch die strukturelle Verwundbarkeit dieser Ruhe. Am 27. Februar 2026 notierte der S&P 500 bei 6.879 Punkten mit einem Forward-KGV von 21,5x. Zur historischen Einordnung: Beim Dotcom-Crash stand das KGV bei 25,2x, beim Lehman-Tief bei 10,4x. Das aktuelle Niveau ist damit vergleichbar mit dem Stand von Januar 2022 (21,4x) – unmittelbar bevor die Fed ihre aggressive Zinswende einleitete und der Markt 25 Prozent verlor. Der entscheidende Unterschied damals: Die 10-jährige Treasury-Rendite lag bei 1,6 Prozent. Heute liegt sie bei 4,0 Prozent. Die Bewertungen sind ähnlich hoch, das Zinsumfeld aber wesentlich restriktiver.

Die naheliegende Markterklärung für die bisherige Stabilität: Der Markt diskontiert einen kurzen Krieg. Yardeni Research brachte diese Logik auf den Punkt – revidierte die eigene Einschätzung aber bereits drei Tage nach Kriegsbeginn und warnte vor einer möglichen Korrektur von 10 bis 15 Prozent, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass ein Bärenmarkt nicht ausgeschlossen werden könne.

Wir warten auf die 10–15 % Korrektur

Die historische J.P. Morgan-Grafik der jährlichen S&P-Renditen und unterjährigen Rückgänge ist in diesem Umfeld der wichtigste Ruhepol. Die Daten seit 1980 sprechen eine klare Sprache: Über 46 Jahre hinweg betrug der durchschnittliche unterjährige Einbruch 14,2 Prozent – und dennoch schloss der Index in 35 dieser 46 Jahre mit einem positiven Jahresergebnis. Selbst Rückgänge von 30 bis 34 Prozent, wie 2002 und 2009, mündeten in starken Folgejahren.

Was diese Grafik lehrt: Unterjährige Korrekturen von 10 bis 15 Prozent sind keine Ausnahme – sie sind die historische Norm. Sie kommen im Schnitt fast jedes Jahr vor. Wer langfristig investiert ist, hat diese Schwankungen bisher immer überlebt und war anschließend besser positioniert als jene, die verkauft hatten.

Das aktuelle Jahr steht mit minus 3 Prozent YTD bisher deutlich unter dem historischen Durchschnitt von plus 10,7 Prozent. Die Frage ist nicht ob eine Korrektur kommt, sondern ob sie das Ausmaß von 10 bis 15 Prozent erreicht – oder ob sich das Eskalationsszenario materialisiert und daraus ein veritabler Bärenmarkt wird.

Die Antwort hängt an drei Faktoren: der Dauer der Hormuz-Blockade, der Höhe und Nachhaltigkeit des Ölpreises – und der Fähigkeit der Notenbanken, zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung zu navigieren. Die J.P. Morgan-Szenariotabelle liefert den Rahmen. Die Märkte liefern gerade die ersten konkreten Signale. Und die Geschichte mahnt: Wer in Panik verkauft, bezahlt den Preis meist zweimal.

Der bisherige Markttreiber schwächelt: Technologie im schlechtesten Jahresstart seit Jahrzehnten

Die Goldman-Sachs-Grafik zur Verteilung der Jahresrenditen von World Tech gegenüber dem restlichen Weltmarkt (ex TMT) erzählt eine beunruhigende Geschichte – und sie beginnt genau dort, wo der aktuelle Kurvenverlauf abweicht. Die orangefarbene Linie markiert das Jahr 2026: Sie bewegt sich seit Januar konsequent unterhalb des Bottom Quartile, hat zwischenzeitlich die Nähe des Bottom Decile gestreift und liegt damit in einem Bereich, der in den Daten seit 1973 nur in den schlechtesten 10 Prozent aller Jahresverläufe auftaucht. Technologie – der Sektor, der den Bullenmarkt der letzten Jahre maßgeblich getragen hat – ist zum Problem geworden.

Das ist deshalb so bedeutsam, weil die Ausgangsbewertungen keine Fehler verzeihen. Wie die J.P. Morgan Inflection-Point-Grafik zeigt, notiert der S&P 500 mit einem Forward-KGV von 21,5x – einem Niveau, das historisch fast ausschließlich durch die Technologieschwergewichte getragen wurde. US-Technologie weist dabei Gewinnmargen von fast 28 Prozent auf, wie die Gewinnmargen-Grafik auf Seite 12 des J.P. Morgan-Dokuments verdeutlicht – weit über dem Niveau aller anderen Regionen. Diese Margen sind eingepreist. Wenn der Sektor underperformt, zieht er den Gesamtmarkt mit.

Die Gründe für die Schwäche sind vielschichtig: steigende Diskontsätze infolge des Energieschocks drücken die Barwerte weit in der Zukunft liegender Cashflows, geopolitische Unsicherheit belastet die globalen Lieferketten der Halbleiterindustrie, und der Rückzug des US-Dollars als dominante Währungskraft mindert den Währungsvorteil für multinationale Tech-Konzerne. Was die Goldman-Grafik zeigt, ist keine vorübergehende Delle – es ist die statistische Bestätigung, dass der bisherige Motor des Marktes in einem der schwächsten Jahresstarts seiner Geschichte steckt. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verlängern und die Zinswende weiter nach hinten verschieben, dürfte die orangefarbene Linie auf dieser Grafik tief im roten Bereich bleiben.

Private Credit: Ein gefährliches Schwungrad – und die Erinnerungen an 2008

Das Kreisdiagramm zeigt das Modell in seiner scheinbaren Eleganz: Private Equity- und Private Credit-Fonds erwerben oder kooperieren mit Versicherungsgesellschaften, diese nehmen langfristige Verbindlichkeiten – vor allem aus Rentenversicherungen und Annuitäten – herein und investieren das Kapital wiederum in hochverzinsliche private Vermögenswerte. Der PE-Manager erhält stabiles, dauerhaftes Kapital und Gebührenströme. Der Versicherer erhält höhere Spreaderträge als mit klassischen Anleihen. Ein scheinbar perfekter Kreislauf – solange er sich dreht.

Genau hier beginnt das Problem. Die NAIC dokumentiert, dass Private Equity zunehmend in Versicherungsgesellschaften investiert und diese direkt besitzt, während dieselben Versicherer gleichzeitig immer größere Anteile ihrer Kapitalanlage in Private Equity und Private Credit verschieben. Die Federal Reserve weist ergänzend darauf hin, dass Lebensversicherungen ihre Exponierung gegenüber riskanten Unternehmenskrediten deutlich erhöht haben und dabei zunehmend komplexere Strukturen in der öffentlichen und privaten Kreditvergabe nutzen. Das klingt nach Diversifikation. Es klingt nach Renditeoptimierung. Wer jedoch die Ereignisse von 2007 und 2008 kennt, erkennt die Struktur: Illiquide Vermögenswerte, gehebelt über langfristige Verbindlichkeiten, in einem Kreislauf gegenseitiger Abhängigkeit – mit dem systemischen Risiko, dass ein Glied bricht und der gesamte Mechanismus rückwärts läuft.

Die entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn Private Credit anfängt zu schwinden? Im Stressszenario – ausgelöst etwa durch steigende Ausfallraten infolge eines anhaltenden Energieschocks, höhere Refinanzierungskosten oder einen abrupten Vertrauensverlust in illiquide Strukturen – greifen mehrere Mechanismen gleichzeitig. Versicherungsgesellschaften, die ihre Kapitalanlagen tief in Private Credit verlagert haben, können nicht kurzfristig liquidieren. Sie sind strukturell illiquide in einem Markt, der keine Käufer kennt, wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen. Die PE- und Private Debt-Häuser verlieren ihre wichtigste Kapitalquelle – permanentes, geduldiges Versicherungskapital – genau dann, wenn Neuzusagen einbrechen und Portfoliounternehmen Refinanzierungen benötigen. Was als stabiles Schwungrad konzipiert war, wird zum Beschleuniger einer Abwärtsspirale.

Der Nahostkonflikt und der damit verbundene Energiepreisschock sind der potenzielle Auslöser, der dieses System unter Stress setzt. Steigende Zinsen verteuern die ohnehin auf Fremdkapital aufgebauten Private-Credit-Strukturen. Sinkende Bewertungen privater Vermögenswerte – die nicht täglich zum Marktpreis bewertet werden und daher Verluste zeitverzögert sichtbar machen – könnten das Ausmaß unterschätzter Risiken in Versicherungsbilanzen erst Monate später offenbaren. Die Parallelen zu den strukturierten Kreditprodukten des Jahres 2007 sind nicht perfekt – aber sie sind auch nicht zu ignorieren.

Ein Throwback – und eine Erinnerung, die niemand brauchen möchte

Das Heatmap-Bild ist sechs Jahre alt. Es stammt aus dem März 2020, den ersten Wochen der Covid-Pandemie. Und es ist tiefrot – von links oben bis rechts unten, quer durch alle Sektoren, alle Regionen, alle Unternehmensgrößen. GOOGL minus 10,27 Prozent. MSFT minus 11,84 Prozent. AAPL minus 12,46 Prozent. JPMorgan minus 18,30 Prozent. BAC minus 17,59 Prozent. BRK-B minus 10,92 Prozent. NVS minus 12,03 Prozent. UNH minus 10,90 Prozent. Das waren keine Jahresverluste – das war ein einziger Tag oder eine einzige Woche. Kein Sektor bot Schutz. Keine Größe bot Schutz. Diversifikation innerhalb des Aktienmarktes half an diesem Tag nicht.

Die meisten Anleger haben vergessen, wie sich das anfühlt. Sechs Jahre Bullenmarkt, unterbrochen nur von kurzen, schnell erholten Rückgängen, haben das kollektive Gedächtnis getrübt. Die unterjährige Rückgangs-Grafik von J.P. Morgan zeigt es statistisch – aber eine Heatmap wie diese erinnert daran emotional. Märkte können sich innerhalb von Tagen neu kalibrieren. Bewertungsmodelle, Risikoprämien und Liquiditätsannahmen können kollektiv und gleichzeitig revidiert werden.

Was damals der unsichtbare Virus war, ist heute eine Kombination aus physisch gesperrter Energieroute, geopolitischer Eskalation, überhitzten Bewertungen und einem Private Credit-Markt, der strukturell kaum liquidierbares Kapital in sich gebunden hat. Die Auslöser sind verschieden. Die Mechanik eines Ausverkaufs ist dieselbe.

Vorsicht ist deshalb keine Schwäche – sie ist das Fundament kluger Kapitalanlage. Wer heute einen ausreichenden Cashanteil im Portfolio hält, verliert in einem weiteren Rückgang weniger – und gewinnt vor allem: Handlungsfähigkeit. Cash ist in einem Umfeld fallender Kurse keine tote Anlage, sondern optionale Kaufkraft zu günstigeren Einstiegsniveaus. Gute Diversifikation bedeutet in diesem Umfeld nicht, zehn verschiedene Tech-ETFs zu halten – es bedeutet, echte Risikostreuung über Anlageklassen hinweg: Anleihen kurzer Laufzeit, reale Vermögenswerte, Rohstoffe, selektive Qualitätsaktien mit stabilen Cashflows und ausreichend Cash als Puffer.

Die Heatmap aus 2020 ist kein Schreckensszenario – sie ist eine Lektion. Wer sie verinnerlicht hat, schläft besser. Und ist besser positioniert, wenn der nächste rote Tag kommt.

Fazit: Was Anleger jetzt tun sollten

Der Nahostkonflikt ist kein isoliertes geopolitisches Ereignis – er trifft auf eine globale Wirtschaft, die bereits unter strukturellem Druck steht: hohe Bewertungen, erhöhte Zinsen, fiskalische Spielräume nahe ihrer Grenzen. Die Straße von Hormuz ist das physische Epizentrum. Die Szenariotabelle von J.P. Morgan liefert die analytische Landkarte.

Für Anleger bedeutet das: Qualität vor Spekulation, reale Vermögenswerte als Inflationsschutz, defensive Sektoren statt hochbewerteter Wachstumstitel. Und vor allem: Emotionen zügeln. Die Geschichte der Märkte seit 1980 lehrt, dass Schocks überstanden werden – von denen, die investiert bleiben.

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