Was bedeutet der Rohstoff-Crash für mein Geld?

Am 30. Januar 2026 wurde der Weltfinanzmarkt von einem der heftigsten Einbrüche der letzten Jahre erschüttert. Bei Silber kann man getrost von einem schwarzen Freitag sprechen. Innerhalb von nur 24 Stunden wurden Vermögenswerte im Wert von über 6,5 Billionen US-Dollar vernichtet. Was als Rallye bei Edelmetallen begann, endete in einem regelrechten Massaker. Besonders betroffen: Gold, Silber, aber auch Technologieaktien und Kryptowährungen. Woher kam der plötzliche Einbruch, was hat Donald Trump damit zu tun und wie geht es nun weiter?

Martin Eberhard | zuletzt aktualisiert 01.02.2026

In diesem Kapitel

Was ist passiert?

Die Preisexplosion bei Edelmetallen war bis zum Freitag über Monate hinweg von geopolitischer Unsicherheit, wachsender Inflationserwartung und einem schwindenden Vertrauen in die langfristige Stabilität westlicher Währungen getragen worden. Zentralbanken, allen voran aus dem globalen Süden, hatten ihre Goldbestände aufgestockt, während gleichzeitig Privatanleger und institutionelle Investoren in großem Stile weltweit aus guten Gründen ebenfalls mutiger gegenüber Rohstoffen wurden und die Positionen erhöhten.

Auch wir haben vor kurzem noch in unseren Strategien den Anteil an Rohstoffen erhöht. Wir hatten im Herbst Gold zugekauft und vor wenigen Tagen den Bloomberg Commodity Index neu positioniert und um 2,5 % erhöht.

Doch wie so oft an den Märkten: Wenn die Euphorie am höchsten ist, wird das Risiko eines abrupten Umschwungs größer. Der plötzliche Preisverfall bei Silber und Gold war somit keine Reaktion auf eine sich verändernde Weltlage, sondern das Resultat einer fragilen Marktstruktur, in der kleine Anlässe große Wirkungen entfalten. Das gilt nicht nur für diese Anlageklasse, sondern für jeden Chart, der in kurzer Zeit aussergewöhnlich schnell und stark steigt.

Wir halten Rohstoffe auch nach Freitag für eine gute und geeignete Anlage, doch dazu im Verlauf dieses Beitrages mehr.

Am Freitag ist die erste Blase geplatzt

Was bisher bei Tech- oder Rüstungsaktien noch auf sich warten lässt, wurde bei Rohstoffen in sekundenenschnelle zur harten Realität.

Man kann und darf von einem schwarzen Freitag sprechen: Der Preis für Silber brach in der Spitze um fast 40 Prozent ein – so stark wie seit über 200 Jahren nicht mehr. Am Ende des Tages blieb ein Verlust von rund 30 Prozent übrig. Auch Gold verlor zweistellig. Für viele Anleger und auch für uns kam dieser Einbruch in diesem Umfang überraschend.

Anders als bei vielen klassischen Börsenkrisen lag der Auslöser nicht in einem Konjunkturschock, nicht bei politischen Eskalationen und auch nicht – wie viele zuerst vermuteten – bei US-Präsident Donald Trump. Die Wahrheit ist viel technischer: Es war ein struktureller Unfall an einer der zentralen Handelsbörsen der Welt, der COMEX in New York.

An der COMEX (Commodity Exchange), einer Abteilung der CME Group, werden jeden Tag riesige Mengen an Rohstoffen wie Silber, Gold, Kupfer, Öl oder Agrarprodukte gehandelt. Es ist der Ort, an dem sich weltweit die Referenzpreise für diese Rohstoffe bilden. Doch wer glaubt, dass hier physisches Silber in Barren über die Theke geht, irrt. Über 90 Prozent der gehandelten Silberkontrakte sind sogenannte Futures – also Wetten auf die Preisentwicklung in der Zukunft. Das bedeutet: Viele Marktteilnehmer setzen auf steigende oder fallende Preise, ohne das Metall je zu besitzen oder zu wollen.

Und diese Wetten sind in der Regel hoch gehebelt. Das heißt: Ein Händler zahlt nur einen Bruchteil (zum Beispiel 5 bis 10 Prozent) des tatsächlichen Vertragswerts als Sicherheit – die sogenannte Margin. Der Rest wird geliehen oder kreditfinanziert. Solange der Markt ruhig bleibt, lassen sich so mit wenig Einsatz hohe Gewinne erzielen. Doch diese Konstruktion ist höchst anfällig. Denn wenn der Markt plötzlich dreht, muss nachgeschossen werden – oder die Position wird zwangsverkauft.

Genau das ist passiert. Mitte Januar änderte die CME Group die Spielregeln. Statt eines festen Betrags wurde die Margin nun prozentual vom Kontraktwert berechnet – und dieser Prozentsatz wurde in mehreren Schritten angehoben. Innerhalb weniger Tage stiegen die Kapitalanforderungen um über 30 Prozent bei Gold und sogar um 36 Prozent bei Silber. Diese Maßnahme war eine Reaktion auf die gestiegene Volatilität. Denn je stärker die Kurse schwanken, desto größer ist das Risiko, dass Händler ihre Verluste nicht mehr decken können.

Was auf den ersten Blick nach technischer Feinjustierung klingt, hatte dramatische Folgen. Viele Marktteilnehmer – vor allem Hedgefonds und spekulative Trader – waren aufgrund der positiven Prognosen für Rohstoffe stark gehebelt investiert. Als die neuen Regeln griffen, reichte ihre hinterlegte Sicherheit plötzlich nicht mehr aus. Es kam zu sogenannten Margin Calls: Die Broker forderten Nachschuss. Wer nicht schnell genug Liquidität bereitstellen konnte, dessen Position wurde automatisch verkauft und er war nicht mehr „dabei“.

Diese Zwangsverkäufe führten zu einem Preisverfall – und genau dieser löste weitere Margin Calls aus. Es begann ein Teufelskreis, ein „Cascade-Effekt“, der den Markt in eine Abwärtsspirale zwang.

Ein zusätzlicher Brandbeschleuniger kam aus China: Dort wurde der Handel mit einem stark nachgefragten Silberfonds vorübergehend ausgesetzt. Viele chinesische Anleger suchten daraufhin nach Liquidität und verkauften ihre Bestände am internationalen Markt – ausgerechnet in dem Moment, als die COMEX bereits im Krisenmodus war.

In Summe entstand eine Marktpanik, die eher an ein Kartenhaus erinnerte als an einen stabilen Finanzmarkt. Die Preise fielen nicht, weil das Edelmetall plötzlich weniger wert war – sondern weil zu viele Spieler zur gleichen Zeit gezwungen wurden, ihre Karten auf den Tisch zu legen.

So wurde aus dem „sicheren Hafen“ ein hochspekulatives Casino. Der vermeintliche Rückzugsort in stürmischen Zeiten wurde selbst zum Epizentrum der Krise. Und das hat einen Grund: Wenn die Mehrheit der gehandelten Volumina gar nicht auf echter Nachfrage, sondern auf Leverage und spekulativen Wetten basiert, ist der Markt in Wahrheit extrem fragil.

Willkommen im Casino

Was für den kleinen Mann die App auf dem Handy ist – sei es TradeRepublic, Scalable Capital oder andere Neobroker – ist für das große Geld die COMEX, die Nasdaq oder der Derivatemarkt in Singapur, London oder Chicago. Weltweit werden täglich mehr als 100 Billionen Dollar in Form von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Devisen und Derivaten gehandelt. Allein an der Nasdaq sind es mehrere Billionen pro Woche. Das Kapital rotiert rund um die Uhr – und folgt dabei oft einfachen, psychologischen Mustern. Was gefragt ist, wird noch begehrter. Was fällt, wird verkauft. Und irgendwann will jeder zur Tür hinaus. Erst langsam, dann plötzlich.

In den Tagen vor dem Einbruch wollten alle bei Gold und Silber dabei sein. Noch am Donnerstag wurden historische Höchststände gefeiert. Wer braucht aktuell schon Aktien? Gold und Silber waren in den letzten Wochen der neue Bitcoin.

Doch gestern brach Panik aus – nicht, weil niemand mehr an Edelmetalle glaubt, sondern weil der Preisverfall durch technische Auslöser in eine Spirale überging. Es ist das uralte Bild von der Party, bei der alle tanzen – bis plötzlich einer zur Tür rennt. Dann rennen alle.

Dieser Ablauf ist kein Einzelfall. Auch bei Bitcoin, Kryptowerten, Tech-Aktien wie Tesla, bei Impfstoffherstellern wie Biontech, oder bei deutschen Rüstungswerten wie Rheinmetall folgte der Preis in den letzten Jahren weniger der Logik – sondern der Psychologie.

Der Grund hat einen Namen: FOMO – die „Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen. Sie ist einer der mächtigsten Treiber an den Finanzmärkten.

FOMO sorgt dafür, dass sich Menschen – egal ob institutionell oder privat – irrational verhalten.

Insbesondere Privatanleger kaufen, obwohl sie das Produkt nicht verstehen, nur weil es steigt. Sie ignorieren Risiken, weil sie glauben, die Masse könne nicht irren. Und sie investieren immer größere Summen in der Hoffnung, „noch dabei zu sein“.

Historisch betrachtet ist FOMO für viele kleine Anleger eine der größten Verlustquellen. Denn sie kommen oft zu spät, kaufen zu teuer – und verkaufen dann im Tief.

Trump war nicht schuld

Der Reflex war bei vielen naheliegend: Wenn es an den Märkten kracht, liegt die Vermutung nahe, dass irgendwo in Washington ein Mikrofon eingeschaltet war. Doch dieses Mal war es anders. Der massive Einbruch bei Edelmetallen und die Schockwellen an den Finanzmärkten vom letzten Freitag lassen sich nicht auf eine einzelne politische Entscheidung zurückführen. Und doch – der US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Politik in den letzten zwölf Monaten zunächst einen Run auf Edelmetalle als sicherer Hafen ausgelöst hatte.

Letzte Woche hat er mit seiner Personalwahl für den nächsten Chef der amerikanischen Notenbank eine neue Richtung vorgegeben, die zumindest eine zusätzliche Volatilität begünstigt hat.

Am Freitag verkündete Trump nach langem Zögern die Nominierung von Kevin Warsh zum künftigen Vorsitzenden der US-Notenbank Fed. Eine Personalie mit Signalwirkung. Warsh, ein alter Bekannter aus der Zeit unter George W. Bush, ist nicht nur gut vernetzt, sondern auch bekannt für seine kritische Haltung gegenüber der ultra-lockeren Geldpolitik der letzten Jahre. Schon 2010 warnte er vor den Gefahren exzessiver Anleihekäufe durch die Notenbank. Seine Haltung: Geldpolitik muss der Preisstabilität dienen, nicht politischen Zielen.

Damit wird klar: Die Märkte, die sich bis zuletzt in der Hoffnung auf dauerhaft niedrige Zinsen und geldpolitischen Rückenwind gesonnt hatten, müssen sich auf einen neuen Wind einstellen. Und sie taten es postwendend. Der Dollar stieg, Gold und Silber brachen zweistellig ein. Für Investoren war das Signal eindeutig: Mit Warsh könnte eine Ära enden, in der die Notenbank in jedem Zweifel zur Unterstützung der Märkte eilte.

Dabei ist bemerkenswert: Auch Warsh sprach sich in den letzten Monaten öffentlich für Zinssenkungen aus – doch immer in Verbindung mit einer klaren Reduktion der aufgeblähten Fed-Bilanz. Es wäre eine Politik mit einem Fuß auf dem Gas (Zinssenkungen) und dem anderen auf der Bremse (Bilanzreduktion). Ob dieses Gleichgewicht gelingt, ist offen. Sicher ist: Die Märkte zweifeln.

Trumps Entscheidung für Warsh ist ungewöhnlich konventionell und in starkem Widerspruch zu seinem Handeln der letzten Wochen.

Statt eines loyalen Gefolgsmanns hat er einen geldpolitischen Falken nominiert – wohl auch, um in Wahlkampfzeiten Seriosität zu signalisieren. Denn die wirtschaftliche Lage ist angespannt: Das US-Haushaltsdefizit beträgt über sechs Prozent des BIP, die Ausgaben steigen, und die geplanten Steuerrückzahlungen in Höhe von 440 Milliarden US-Dollar erinnern manche Kommentatoren bereits an „Helikoptergeld“.

Der Präsident will die Wirtschaft vor den Zwischenwahlen im November ankurbeln – mit seiner „One Big Beautiful Bill“, einem Mix aus Steuersenkungen und Ausgabenprogrammen. Die Märkte nehmen ihm das zum Teil ab, zum Teil nicht. Denn mit der Wahl Warshs sendet er auch ein gegenteiliges Signal: Es könnte mit der Dauerparty vorbei sein.

So erklärt sich, warum der sogenannte „Debasement Trade“ – also die Flucht in Sachwerte aus Angst vor einer schleichenden Dollarentwertung – am Freitag jäh gestoppt wurde. Gold und Silber, lange gefeierte Schutzschilde gegen die Entwertung des Papiergelds, verloren massiv. Doch dieser Rücksetzer könnte nur eine Atempause gewesen sein. Denn eines ist sicher: Die strukturellen Probleme in den USA sind nicht gelöst – und die Inflation ist politisch gewollt, zumindest ein Stück weit.

Der neue Fed-Chef wird ab Mai Verantwortung übernehmen. Bis dahin und auch danach bleibt das Bild diffus: Zinssenkungen ja, aber nicht auf Teufel komm raus. Bilanzreduktion ja, aber bitte ohne Marktpanik. Zwischen Stabilität und Stimulus zu navigieren, wird zur Königsdisziplin. Und Donald Trump?

Der hat in diesen Tagen bewiesen, dass selbst er nicht immer den maximalen Einfluss durchsetzen kann und sich seine Meinung schnell ändert, wenn der Wind aus der falschen Richtung weht.

Vielleicht ist das die beruhigendste Nachricht dieser Woche.

Unsere Strategie: Rational handeln

In turbulenten Marktphasen wie der aktuellen ist es für viele Anleger schwierig, zwischen Panik und rationalem Handeln zu unterscheiden. Was ist Signal und was ist Geräusch? Gerade nach einem Freitag wie diesem, sind kühle Köpfe und systematische Strategien gefragt.

Auch wenn die Preisbewegungen bei Rohstoffen spektakulär ausfielen, sind sie im historischen Kontext nicht einmalig. Doch sie stellen in jedem Fall die Robustheit eines Portfolios auf den Prüfstand. Es zeigt sich, dass einzelne Wetten sehr schnell ins Auge gehen können.

Hier setzt unser systematischer Investmentansatz an – mit einer klaren Struktur und dem Ziel, langfristige Stabilität über kurzfristige Sensationen zu stellen.

Zentrale Grundlage unseres Handelns ist ein konsequent diversifiziertes Portfolio. In der Regel bestehen unsere Strategien aus zehn bis fünfzehn Einzelpositionen. Die Gewichtung ist klar definiert: Die größte Position macht nicht mehr als 15 Prozent aus, die kleinste mindestens 5 Prozent. Diese Gewichtung erlaubt es, Risiken breit zu streuen und Einzelereignissen – wie dem Absturz bei Silber – nur begrenzten Raum im Gesamtbild zu geben.

Durch regelmäßiges Rebalancing – also dem Zurückführen überproportional gestiegener Positionen in die ursprüngliche Struktur – erzielen wir systematisch Gewinne dort, wo sich Übertreibungen gebildet haben. Gleichzeitig investieren wir gezielt in jene Märkte oder Anlageklassen, die gerade unter Druck geraten sind, sofern sie strategisch tragfähig bleiben. Es ist ein Prinzip, das antizyklisches Handeln ermöglicht – und langfristig belohnt.

Ein Beispiel für diese Vorgehensweise ist unser Umgang mit Rohstoffen. Während viele Privatanleger bei Gold oder Silber auf Einzelwerte setzen – und damit direkt von deren Volatilität getroffen werden – nutzen wir etwa den Amundi Commodity Ex-Agriculture ETF. Dieser bildet einen breit gestreuten Rohstoffkorb ab, bestehend aus über 20 Rohstoffen mit einem Energiesektoranteil von rund 30 Prozent. Zwar verlor der ETF in der vergangenen Woche rund 5,4 Prozent, auf Monatssicht liegt er aber immer noch etwa 10 Prozent im Plus. Diese Stabilität zeigt, wie wichtig breite Streuung innerhalb der Assetklasse Rohstoffe ist.

Ein weiteres Beispiel ist der HansaGold Fonds, der zwar am Freitag rund 10 Prozent einbüßte, auf Monatssicht jedoch eine beachtliche Performance von +26 Prozent aufweist. Solche Entwicklungen zeigen, dass derartige Fonds trotz heftiger Rücksetzer in der Lage sind, strukturelle Trends wie das gestiegene Interesse an Sachwerten abzubilden – auch wenn diese nicht in einer Linie verlaufen.

Neben der Allokation in Sachwerte spielt Liquidität eine wichtige Rolle in unseren Strategien. In den meisten Mandaten halten wir derzeit eine Barreserve von rund 20 Prozent. Bei einem betreuten Vermögen von 75 Millionen Euro entspricht das etwa 15 Millionen Euro.

Diese Liquidität dient nicht der Spekulation, sondern der gezielten Nachinvestition in Marktphasen wie jetzt, in denen sich Bewertungen deutlich nach unten bewegen. Damit verfolgen wir ein vorausschauendes Cash-Management, das uns erlaubt, auf günstige Gelegenheiten zu reagieren, wenn andere Marktteilnehmer noch im Schock verharren.

Unsere Markteinschätzungen basieren auf objektiven Indikatoren, nicht auf subjektiven Prognosen. Ein wichtiger Taktgeber ist dabei der US-Leitindex S&P 500. Bei hohen Indexständen empfehlen wir für neue Anleger zunächst eine Investitionsquote von maximal 25 Prozent.

Weitere Tranchen erfolgen gestaffelt – beispielsweise nach einer Kurskorrektur von mindestens zehn Prozent. Dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf Gesamtportfolios, sondern auch auf einzelne Anlageklassen übertragen.

Ziel ist es, nicht blind in überhitzte Märkte oder Trends zu investieren, sondern auf fundamentale Rücksetzer vorbereitet zu sein. Dabei profitieren Anleger nicht nur von günstigeren Einstiegskursen, sondern auch von einem systematischen Risikomanagement.

Was passiert am Montag?

Am Montag steht die nächste Belastungsprobe für die Edelmetallmärkte an. Nach dem historischen Preisrutsch vom Freitag zieht die US-Terminbörse CME Group die Reißleine. Die Margin-Anforderungen für den Handel mit Edelmetall-Futures werden massiv angehoben: Für Silber steigt der Kapitalbedarf um 36 %, für Gold um 33 %, Platin und Palladium folgen mit ähnlichen Zuschlägen.

Diese Maßnahme signalisiert nicht nur ein verändertes Risikobewusstsein der Börse, sondern dürfte auch die Preisdynamik in den kommenden Tagen entscheidend beeinflussen. Denn je höher die Sicherheitsleistungen, desto weniger Händler können mit hohem Hebel agieren.

Für den Markt bedeutet das: weniger Liquidität, weniger Spekulation – aber auch ein potenziell größerer Druck auf bestehende Positionen. Viele Investoren, die sich durch den Preisanstieg der vergangenen Monate zu stark engagiert haben, könnten gezwungen sein, weiter zu verkaufen, um ihre Positionen zu decken. Das Risiko erneuter, abrupter Preisbewegungen bleibt damit hoch.

Die kommenden Tage werden zeigen, wie tief die Verwerfungen reichen. Bleibt es bei einem einmaligen Kursrutsch oder folgt eine längere Bereinigung? Setzen sich langfristige Kräfte durch – etwa das strukturelle Interesse an realen Werten in einer Welt schleichender Geldentwertung? Oder bricht ein weiterer Verkaufsdruck über die Märkte herein, weil Anleger gezwungen sind, ihre Positionen glattzustellen? Fest steht: Die CME-Margin-Anpassung wirkt wie ein Katalysator – und dürfte dafür sorgen, dass am Montag niemand mehr von einem normalen Handelstag spricht.

Was bedeutet das für Ihr Geld?

Natürlich hinterlassen Marktereignisse wie am Freitag auch Spuren in unseren Strategien. Doch sie treffen auf eine Struktur, die darauf vorbereitet ist. Ein breit gestreutes Portfolio, disziplinierte Gewichtung, regelmäßiges Rebalancing und ein durchdachtes Cash-Management bilden zusammen die Grundlage, um auch in Zeiten höchster Volatilität handlungsfähig zu bleiben. Noch ist es zu früh für ein abschließendes Fazit. Aber klar ist: Wer mit Struktur investiert, bleibt auch in unsicheren Zeiten an Bord – nicht als Spielball der Märkte, sondern als Navigator durch die Wellen der Volatilität.

Für Anleger bedeutet das: kühlen Kopf bewahren. Denn so heftig die Ausschläge auch ausfallen mögen – entscheidend ist, mit welcher Struktur man investiert. Wer sein Depot nicht auf eine Wette auf einzelne Rohstoffe ausgerichtet hat, sondern auf Diversifikation setzt, kann Rückschläge verkraften. Auch wenn Fonds wie der HansaGold oder der Amundi Commodity Basket kurzfristig Rücksetzer zeigen, so bleibt deren Funktion im Portfolio intakt: als Baustein einer breiten Allokation, nicht als Zock auf das nächste große Ding. Die nächsten Tage werden turbulent – aber wer vorbereitet ist, muss nicht in Panik verfallen.