Einzelne Aktien sind verführerisch. Getrieben von der Gier nach schnellem Reichtum und unbegrenztem Gewinn machen Anleger mit Einzelaktien heute die gleichen Fehler wie vor über 26 Jahren. Man kauft Aktien teuer und verkauft sie billig.

Am 18. November 1996 bricht in Deutschland das Börsenfieber aus – und Millionen Menschen sind von ihm erfasst. Die T-Aktie, das Papier der Deutschen Telekom notiert das ersten Mal an der Frankfurter Börse.  Am 6. März 2000 kostet die T-Aktie 103,50 Euro. Wer die Aktie beim ersten Börsengang für 14,57 Euro (damals 28,50 DM) gekauft hat, hat seinen Einsatz mehr als versiebenfacht. Verkaufen tun jedoch nur die wenigsten, warum auch, die Aktie wird schon noch weiter steigen.  Am 05.06.2012 erreichte der Kurs der Telekom-Aktie seinen bisherigen Tiefststand mit 3,86 Euro:

  • Wer beim Börsendebüt gezeichnet hat, verbuchte einen Kursverlust von 73,50 Prozent.
  • Wer im Juni 1999 voller Erwartung weiter steigender Kurse die zweite Tranche zu 39,50 Euro zeichnete, musste 90,22 % Verlust verkraften.
  • Anleger, welche zum historischen Hoch von 103,50 Euro am 06.03.2000 investierten, verbuchten 96,27 % Wertverlust.

Der Börsengang der Telekom hatte nicht nur für einzelne Anleger sondern auch für die Börsenkultur in Deutschland verheerende folgen. Viele Anleger sind bis heute traumatisiert und haben sich nie wieder mit der Anlage in Wertpapieren beschäftigt.  Nachdem die Zahl der Aktionäre in Deutschland bis zur Jahrtausendwende auf zwölf Millionen gewachsen war, ging sie in den Folgejahren deutlich zurück.

Telekom, VW, BASF, Siemens und Daimler  und Allianz gelten als „Volksaktien“ – als Aktien, die man in den meisten Depots findet. Heute findet man unter den Lieblingsaktien auch Apple, Amazon oder Microsoft. Während der Corona-Krise galten die Aktie von Biontech und Tesla als die neuen Stars am Himmel. Junge Anleger folgten zudem in Schaaren Meme Stocks wie AMC oder Gamestop. Meme Stocks sind Aktien, die sich im Internet viral verbreiten und so die Aufmerksamkeit von Anlegenden auf sich ziehen. Von dort aus war der Weg schließlich nicht weit, um sein Geld dann mit zwei Klicks in Bitcoins und andere Kryptowährungen zu investieren. Zwar handelt es sich hierbei nicht um Aktien, aber um das gleiche Verhaltensmuster wie in allen bereits aufgeführten Beispielen.

Ein Blick auf die historischen Verlauf der Kurse dieser Aktien zeigt jedoch, dass die damit verbundene Hoffnung oft größer war als der Ertrag: Ein breit gestreutes Portfolio ist – vor allem als Altersvorsorge – sinnvoller als ein Aktienpaket von nur einem Unternehmen.